Reseller Hosting: Webspace für Kunden selbst verwalten

Reseller Hosting ist ein Hosting-Tarif, den Sie in kleinere Pakete aufteilen und an eigene Kunden weitergeben. Sie mieten bei einem Anbieter Speicher, Rechenzeit und Domains als großes Kontingent und legen daraus für jeden Kunden ein eigenes Konto mit eigenem Login an. Das lohnt sich vor allem für Webdesigner und Agenturen, die zehn, zwanzig oder hundert Kundenseiten betreuen. Bevor Sie einsteigen, sollten Sie wissen, wofür Sie damit gegenüber Ihren Kunden geradestehen.

Das Wichtigste in Kürze

  • Sie kaufen ein großes Hosting-Kontingent und geben es als eigene Pakete an Ihre Kunden weiter.
  • Lohnt sich ab etwa zehn betreuten Seiten, vor allem zusammen mit Pflege und Support.
  • Wichtig im Tarif: Grenzen und Backups pro Konto, eigene Nameserver, Standort in der EU.
  • Für Ihre Kunden sind Sie der Hoster: Vertrag, AV-Vertrag und Support liegen bei Ihnen.

Wie Reseller Hosting funktioniert

Der Anbieter betreibt die Server, kümmert sich um Hardware, Netz und das Betriebssystem. Sie bekommen eine Verwaltungsoberfläche, oft Plesk oder cPanel mit WHM, und darin ein Gesamtkontingent: zum Beispiel 200 GB Speicher, 50 Domains und 100 Datenbanken. Daraus schneiden Sie Pakete zu. Kunde A bekommt 10 GB und drei Postfächer, Kunde B 30 GB mit Shop-Datenbank.

So ist Reseller Hosting aufgebaut
Der Anbieter stellt Server und Kontingent, der Wiederverkäufer teilt es in Pakete auf und legt für jeden Kunden ein eigenes Konto an.

Jeder Kunde sieht nur sein eigenes Konto. Er kann dort Postfächer anlegen, Dateien hochladen oder eine PHP-Version wechseln, ohne die anderen Konten zu berühren. Sie selbst sehen alle Konten und können eingreifen, wenn etwas klemmt. Technisch läuft das meist auf einem Shared-Hosting-Server, also teilen sich Ihre Kunden die Leistung mit anderen Kunden des Anbieters.

Für wen sich Reseller Hosting lohnt

Typische Nutzer sind Webdesigner, kleine Agenturen und IT-Dienstleister. Für sie hat Reseller Hosting drei Vorteile gegenüber einzelnen Verträgen pro Kunde:

  • Ein Vertrag, eine Rechnung: Sie zahlen einmal an den Anbieter und rechnen selbst mit Ihren Kunden ab.
  • Alles an einem Ort: Updates, Backups und Zertifikate prüfen Sie für alle Kunden in einer Oberfläche.
  • Eigene Marke: Viele Tarife erlauben ein eigenes Logo im Kundenmenü und eigene Nameserver, die Kunden sehen dann Ihren Namen statt den des Anbieters.

Weniger sinnvoll ist das Modell, wenn Sie nur zwei oder drei Seiten betreuen. Dann reicht ein normales Webhosting-Paket mit mehreren Domains, und Sie sparen sich die zusätzliche Verwaltung. Auch wer seinen Kunden keinen Support geben will, sollte die Finger davon lassen: Mit dem Weiterverkauf werden Sie für den Kunden zum Hoster.

Was ein guter Reseller-Tarif bieten sollte

Die Tarife unterscheiden sich weniger beim Speicher als bei den Dingen, die erst im Alltag auffallen. Achten Sie auf diese Punkte:

Worauf es bei einem Reseller-Tarif ankommt
Wichtig sind Grenzen und Backups pro Konto, eigene Nameserver, Domains im Tarif, SSL für jede Domain sowie Standort und Vertrag in der EU.
  • Grenzen pro Konto: Können Sie für jeden Kunden Speicher, Postfächer und PHP-Prozesse getrennt festlegen? Sonst zieht ein Kunde mit vollem Postfach alle anderen mit.
  • Backups pro Konto: Eine Rücksicherung muss für einen einzelnen Kunden möglich sein, ohne die anderen zurückzusetzen.
  • Domains: Lassen sich Domains direkt im Tarif registrieren und die Kosten pro Domain getrennt sehen?
  • SSL: Kostenlose Zertifikate von Let's Encrypt für jede Domain, automatisch verlängert.
  • Serverstandort und Vertrag: Für Kunden aus Deutschland zählen ein Standort in der EU und ein Vertrag zur Auftragsverarbeitung.
  • Support für Sie: Der Anbieter hilft Ihnen, nicht Ihren Kunden. Fragen Sie nach, wie schnell und auf welchem Weg.

Fragen Sie außerdem, wie viele Kunden sich einen Server teilen und ob es eine Obergrenze für die Last gibt. Ein günstiger Tarif, bei dem Ihre Kunden an einem überfüllten Server hängen, kostet Sie am Ende Zeit am Telefon.

Technische Grenzen, die Sie kennen sollten

Reseller Hosting läuft meist auf einem geteilten Server. Neben Speicher und Domains gibt es deshalb Grenzen, die in der Werbung selten stehen, im Alltag aber über die Zufriedenheit Ihrer Kunden entscheiden:

  • PHP-Prozesse pro Konto: Sie bestimmen, wie viele Besucher gleichzeitig bedient werden. Ein Shop mit vier Prozessen wird bei einer Rabattaktion langsam, egal wie viel Speicher frei ist.
  • Arbeitsspeicher pro Skript: Der Wert memory_limit sollte für WordPress mindestens 256 MB erlauben.
  • Anzahl der Dateien: Viele Anbieter begrenzen die Zahl der Dateien, die sogenannten Inodes. Ein Konto mit vielen Vorschaubildern oder Cache-Dateien stößt daran früher als an den Speicher.
  • Mails pro Stunde: Eine Obergrenze für ausgehende Mails schützt vor Spam, bremst aber auch Newsletter aus dem CMS.
  • Cronjobs und SSH: Nicht jeder Reseller-Tarif erlaubt sie für alle Kundenkonten.

Fragen Sie diese Werte vor dem Vertrag ab und notieren Sie sie für jedes Paket, das Sie verkaufen. Wenn ein Kunde später fragt, warum seine Seite langsam ist, wissen Sie sofort, wo Sie nachsehen.

Ihre Pflichten als Wiederverkäufer

Für Ihre Kunden sind Sie der Hoster. Fällt der Server aus, ruft der Kunde Sie an, nicht den Anbieter. Daraus ergeben sich Pflichten, die Sie vorher klären sollten.

Vertrag mit dem Kunden. Halten Sie fest, was das Paket enthält, wie lange es läuft, wie schnell Sie bei Störungen reagieren und was bei einer Kündigung mit Daten und Domain passiert. Versprechen Sie keine Verfügbarkeit, die Ihr eigener Anbieter nicht zusagt. Wenn er 99,9 Prozent im Jahr garantiert, können Sie nicht 99,99 weitergeben.

Datenschutz. Sie verarbeiten im Auftrag Ihrer Kunden personenbezogene Daten, etwa Kontaktformulare und Postfächer. Sie brauchen deshalb mit jedem Kunden einen Vertrag zur Auftragsverarbeitung, und Ihr Anbieter ist Ihr Unterauftragnehmer. Was in so einen Vertrag gehört, erklärt der Ratgeber zum DSGVO-konformen Hosting. Für die genaue Ausgestaltung fragen Sie am besten einen Anwalt oder Datenschutzberater, dieser Artikel ersetzt keine Rechtsberatung.

Domains. Tragen Sie Ihren Kunden als Inhaber der Domain ein, nicht sich selbst. Sonst gibt es Streit, wenn er später den Anbieter wechseln will. Sie können als technischer Ansprechpartner eingetragen sein.

Missbrauch. Verschickt ein Kundenkonto Spam oder verteilt Schadsoftware, sperrt der Anbieter im Zweifel das Konto, manchmal den ganzen Tarif. Prüfen Sie Ihre Kunden, setzen Sie Grenzen für ausgehende Mails und reagieren Sie schnell auf Hinweise.

Preise kalkulieren

Die meisten Wiederverkäufer verdienen nicht am Speicher, sondern an der Betreuung. Ein Paket, das Sie für ein paar Euro im Monat einkaufen, verkaufen Sie selten deutlich teurer, ohne dass der Kunde mit Billiganbietern vergleicht. Rechnen Sie deshalb so:

  1. Kosten des Tarifs durch die Zahl der Kunden teilen, die realistisch darauf passen.
  2. Domains und kostenpflichtige Zusätze pro Kunde dazurechnen.
  3. Ihre Arbeitszeit für Updates, Backups und Fragen pro Monat schätzen und einpreisen.
  4. Einen Puffer für Störungen und Umzüge einplanen.
So kalkulieren Sie einen Kundenpreis
Zuerst den Tarif auf die Kunden umlegen, dann Domains und Zusätze addieren, die eigene Arbeitszeit für Pflege und Support einpreisen und einen Puffer für Störungen und Umzüge einplanen.

Bewährt hat sich, Hosting und Pflege als ein Paket anzubieten: Webspace, Updates des CMS, Backup und eine Stunde Änderungen pro Quartal. Dann vergleicht der Kunde nicht mehr den Speicherpreis, sondern Ihre Leistung. Was Hosting an sich kostet und wo versteckte Kosten lauern, zeigt der Überblick zu Webhosting Kosten.

Plesk, cPanel oder eigene Oberfläche

Die Verwaltungsoberfläche entscheidet, wie angenehm der Alltag wird. In Deutschland ist Plesk verbreitet, international eher cPanel mit dem Reseller-Bereich WHM. Manche Anbieter haben eine eigene Oberfläche entwickelt. Alle drei Wege funktionieren, wichtig ist, dass Sie damit zurechtkommen und Ihre Kunden auch.

Probieren Sie vor dem Vertrag eine Testversion aus und spielen Sie typische Aufgaben durch: einen Kunden mit Paket anlegen, eine Domain hinzufügen, ein Postfach einrichten, ein Backup zurückspielen und den Kunden wieder löschen. Achten Sie darauf, ob Sie Paketvorlagen speichern können. Mit Vorlagen wie „Klein“, „Mittel“ und „Shop“ legen Sie neue Kunden in zwei Minuten an, statt jedes Mal alle Grenzen von Hand einzutragen. Welche Rollen und Rechte Plesk für Reseller und Kunden vorsieht, beschreibt die Dokumentation von Plesk.

Klären Sie auch, ob Kunden sich selbst einloggen sollen. Manche Agenturen geben ihren Kunden nur den Zugang zum Webmail und erledigen alles andere selbst. Das senkt die Zahl der Rückfragen, weil niemand versehentlich die PHP-Version umstellt oder ein Postfach löscht. Andere Kunden wollen gerade die Freiheit, selbst Postfächer anzulegen. Beides geht, wenn die Rechte pro Konto einstellbar sind.

Reseller Hosting, vServer oder Managed Hosting

Ab einer gewissen Zahl von Kunden stellt sich die Frage, ob ein eigener Server günstiger wäre. Auf einem vServer mit Plesk oder einer anderen Oberfläche haben Sie mehr Freiheit und feste Ressourcen. Dafür sind Sie selbst für das Betriebssystem, die Sicherheitsupdates und die Mailzustellung verantwortlich. Das kostet viel Zeit und Wissen.

Reseller Hosting, vServer und Managed Hosting im Vergleich
Beim Reseller Hosting verwalten Sie Kundenkonten, aber nicht den Server. Beim vServer liegt auch das System bei Ihnen. Beim Managed Hosting übernimmt der Anbieter am meisten.

Reseller Hosting liegt dazwischen: Sie verwalten Kunden, aber nicht den Server. Wer auch die Pflege der Websites abgeben möchte, schaut sich Managed Hosting an. Für die meisten Agenturen mit 10 bis 80 kleineren Kundenseiten ist ein Reseller-Tarif der einfachste Weg. Laufen einzelne Shops mit viel Last, bekommen diese besser einen eigenen Tarif, damit sie die anderen nicht ausbremsen.

Kunden umziehen und wieder abgeben

Beim Einstieg ziehen Sie meist bestehende Kundenseiten zu sich. Gehen Sie Kunde für Kunde vor: Konto anlegen, Dateien und Datenbank übertragen, Postfächer umziehen, testen und erst dann den DNS-Eintrag umstellen. Die Schritte im Detail beschreibt die Anleitung zum Webhosting Umzug.

Genauso wichtig ist der umgekehrte Weg. Will ein Kunde gehen, braucht er seine Dateien, einen Datenbank-Export, seine Mails und den Auth-Code der Domain. Legen Sie fest, wie lange Sie nach einer Kündigung Daten aufbewahren und wann Sie sie löschen. Ein sauberer Ausstieg spricht sich herum und ist gute Werbung.

Checkliste: Reseller Hosting vor dem ersten Kunden

  1. Paketvorlagen anlegen, etwa Klein, Mittel und Shop, mit Grenzen für Speicher, Postfächer und PHP-Prozesse.
  2. Eigene Nameserver und Logo einrichten, falls der Tarif das bietet.
  3. Vertragsvorlage und Vertrag zur Auftragsverarbeitung für Kunden vorbereiten.
  4. Backup und Rücksicherung eines Testkontos einmal vollständig durchspielen.
  5. SPF, DKIM und DMARC für eine Testdomain setzen und eine Mail an ein großes Postfach schicken.
  6. Festlegen, wie Kunden Sie bei Störungen erreichen und wie schnell Sie antworten.
  7. Ein Monitoring für alle Kundenseiten einrichten, damit Sie Ausfälle vor dem Kunden bemerken.

Wer sein Reseller Hosting einmal sauber aufsetzt, legt jeden weiteren Kunden in wenigen Minuten an. Und Sie haben eine Antwort parat, wenn ein Kunde fragt, wie sicher seine Daten bei Ihnen sind.

Bei Shops lohnt ein genauerer Blick. Ein Onlineshop braucht mehr PHP-Prozesse, eine schnelle Datenbank und Backups, die keine Bestellungen verlieren. Was dabei zählt, beschreibt der Ratgeber zum Onlineshop-Hosting. Oft ist ein eigener Tarif für den Shop die bessere Lösung als ein Paket im Reseller-Kontingent.

Typische Fehler beim Reseller Hosting

  • Keine Grenzen pro Konto: Ein Kunde füllt den Speicher, und alle Seiten stehen still.
  • Domain auf den eigenen Namen: Der Kunde ist rechtlich nicht Inhaber und kann nicht frei wechseln.
  • Nur ein Gesamtbackup: Ein einzelner Kunde lässt sich nicht zurücksichern.
  • Veraltete Software in vergessenen Konten: Alte WordPress-Installationen sind das häufigste Einfallstor, und ein gehacktes Konto kann den ganzen Tarif auf eine Sperrliste bringen.
  • Mehr versprochen als eingekauft: Reaktionszeiten und Verfügbarkeit, die der eigene Anbieter nicht liefert.

Häufig gestellte Fragen

Brauche ich für Reseller Hosting ein Gewerbe?

Ja, wenn Sie Hosting dauerhaft und gegen Geld weiterverkaufen, ist das in aller Regel eine gewerbliche Tätigkeit. Klären Sie Gewerbeanmeldung und Umsatzsteuer mit Ihrer Steuerberatung.

Merken meine Kunden, dass ich nur weiterverkaufe?

Mit eigenen Nameservern und eigenem Logo im Kundenmenü meist nicht. Ein Blick in die Whois-Daten der IP-Adresse zeigt aber den Rechenzentrumsbetreiber. Ein Geheimnis sollten Sie daraus nicht machen.

Wer hilft meinen Kunden bei Problemen?

Sie. Der Anbieter unterstützt Sie als seinen Kunden, Ihre Kunden kennt er nicht. Planen Sie dafür Zeit ein.

Kann ich E-Mail-Postfächer mit weiterverkaufen?

Ja, Postfächer gehören bei fast allen Tarifen dazu. Achten Sie darauf, dass SPF, DKIM und DMARC für jede Kundendomain gesetzt sind, damit die Mails ankommen.

Was passiert mit meinen Kunden, wenn ich aufhöre?

Geben Sie jedem Kunden rechtzeitig Bescheid, übergeben Sie Daten, Mails und Auth-Codes und lassen Sie die Konten erst nach dem Umzug löschen. Manche Anbieter übernehmen Kundenkonten auch direkt.

Reseller Hosting richtig starten

Wählen Sie einen Tarif mit Grenzen und Backups pro Konto, schließen Sie mit jedem Kunden einen klaren Vertrag und tragen Sie Domains auf den Kunden ein. Verkaufen Sie Hosting zusammen mit der Pflege, dann zählt Ihre Leistung und nicht der Speicherpreis.

Vergleichen Sie jetzt Reseller Hosting mit Managed Hosting.


Weitere Artikel in „Webhosting“

Managed Hosting: Was der Anbieter übernimmt und wann es sich lohnt

Managed Hosting erklärt: was der Anbieter übernimmt, was bei Ihnen bleibt, Unterschiede zu Shared Ho…

Cloud Hosting: Wie Cloud Server funktionieren und wann sie sich lohnen

Cloud Hosting verständlich erklärt: wie Cloud Server funktionieren, was sie von vServer und Shared H…

SSH-Zugang und SFTP: sicher auf Webspace und Server zugreifen

SSH Zugang beim Webhosting einrichten: Schlüssel erzeugen, sicher verbinden, Dateien per SFTP übertr…

Cronjob einrichten: Aufgaben automatisch zur richtigen Zeit

Cronjob einrichten im Kundenmenü oder per crontab: Zeitangaben lesen, PHP-Skripte richtig aufrufen, …

Die .htaccess-Datei: Einstellungen für Ihren Webspace

Die htaccess Datei verständlich erklärt: HTTPS- und www-Weiterleitung, Passwortschutz, Zugriffssperr…

500 Internal Server Error: Schritt für Schritt zur Ursache

500 Internal Server Error auf der Website? So finden Sie die Ursache im Fehlerprotokoll und beheben …