Für Onlineshop Hosting reicht der günstigste Webhosting-Tarif selten aus. Ein Shop braucht mehr PHP-Speicher als ein Blog, eine schnelle Datenbank und genug PHP-Prozesse, weil Warenkorb, Kasse und Kundenkonto nicht aus dem Cache kommen. Dazu kommen Backups, die keine Bestellung verlieren, ein Rechenzentrum in der EU mit Vertrag zur Auftragsverarbeitung und ein Zahlungsweg, bei dem Kartendaten nie Ihren Server berühren. Welche Tarifart passt, hängt weniger von der Zahl der Produkte ab als davon, wie viele Kunden gleichzeitig einkaufen.
Mietshop oder eigene Shopsoftware?
Vor der Hosting-Frage steht die Wahl des Shopsystems. Bei einem Mietshop wie Shopify oder dem Shop-Baukasten eines Hosters betreibt der Anbieter Server und Software. Sie zahlen eine monatliche Gebühr und kümmern sich nicht um Updates. Dafür sind Sie an seine Funktionen und Erweiterungen gebunden, und manche Anbieter berechnen zusätzlich eine Gebühr pro Verkauf, wenn Sie nicht ihre eigene Zahlungsabwicklung nutzen. Beim Mietshop entfällt die Frage nach dem Onlineshop Hosting deshalb weitgehend.
Bei Shopsoftware zum Selbstbetrieb wie WooCommerce, Shopware oder PrestaShop wählen Sie das Hosting selbst. Sie haben die Kontrolle über Daten, Erweiterungen und Standort, tragen aber die Verantwortung für Updates, Sicherheit und Backups. Um diese zweite Variante geht es im Folgenden.
Was Onlineshop Hosting leisten muss
Ein Blog liefert fast jede Seite aus dem Cache. Im Shop geht das nur für Produkt- und Kategorieseiten. Sobald ein Besucher etwas in den Warenkorb legt, sich anmeldet oder zur Kasse geht, baut PHP jede Seite neu und fragt die Datenbank ab. Gute Onlineshop-Hosting-Tarife sind deshalb vor allem bei PHP und Datenbank stärker ausgestattet als einfache Pakete.
PHP-Speicher und PHP-Version
WooCommerce empfiehlt in seinen Serveranforderungen ein Speicherlimit von mindestens 256 MB für WordPress. Shopware nennt in den Systemanforderungen für PHP mindestens 512 MB. Manche günstigen Tarife erlauben weniger. Prüfen Sie den Wert vor dem Vertrag und fragen Sie, ob Sie ihn selbst erhöhen dürfen. In WordPress finden Sie ihn unter Werkzeuge › Website-Zustand › Bericht im Abschnitt Server. Nutzen Sie außerdem eine PHP-Version, die noch Sicherheitsupdates bekommt, und prüfen Sie vor einem Wechsel, ob alle Erweiterungen damit laufen.
PHP-Prozesse: die unterschätzte Grenze
Jede Seite, die nicht aus dem Cache kommt, belegt für ihre Laufzeit einen PHP-Prozess. Erlaubt ein Tarif nur wenige gleichzeitige Prozesse, warten Käufer an der Kasse, sobald mehrere zur selben Zeit bestellen. Der Shop wirkt dann langsam, obwohl Prozessor und Arbeitsspeicher noch Reserven haben. Hoster nennen diese Grenze unterschiedlich, etwa PHP-Worker, PHP-Prozesse oder Entry Processes. Fragen Sie vor dem Vertrag gezielt danach. Auf einem eigenen vServer legen Sie die Zahl selbst fest, bei PHP-FPM mit pm.max_children.
Datenbank und Cache
Produkte, Varianten, Bestellungen und Kundenkonten liegen in der Datenbank. Sie wächst mit jeder Bestellung, und Kategorieseiten mit vielen Filtern werden bei großen Sortimenten schnell langsam. Ein Objekt-Cache wie Redis hält häufige Abfragen im Arbeitsspeicher und entlastet die Datenbank spürbar. Viele Shop- und Managed-Tarife bieten Redis an, bei einfachem Webhosting fehlt er oft.
Ein Seiten-Cache muss Warenkorb, Kasse und Kundenkonto ausnehmen, sonst sieht ein Kunde den Warenkorb eines anderen. Die gängigen Cache-Plugins für WordPress erkennen WooCommerce und tun das von selbst. Nutzt der Hoster einen eigenen Cache auf dem Server, fragen Sie nach, ob er Shops richtig behandelt. Wie Seiten-, Objekt- und Browser-Cache zusammenspielen, erklärt der Ratgeber zu Caching-Strategien.
Leistung selbst messen
Ob Ihr Onlineshop Hosting reicht, sehen Sie an der Antwortzeit der Seiten, die nicht aus dem Cache kommen. Rufen Sie eine Produktseite und die Warenkorbseite mit diesem Befehl auf und vergleichen Sie die Zeit bis zum ersten Byte in Sekunden:
curl -o /dev/null -s -w "%{time_starttransfer}\n" https://ihr-shop.de/warenkorb/
Google empfiehlt für diese Zeit höchstens 0,8 Sekunden. Liegt der Warenkorb dauerhaft deutlich darüber, bremst meist PHP oder die Datenbank. In WordPress zeigt das Plugin Query Monitor, welche Datenbankabfragen und Erweiterungen eine Seite verlangsamen. Messen Sie mehrmals und zu verschiedenen Tageszeiten, denn auf geteilten Servern schwankt die Leistung.
Welcher Tarif zu welchem Shop passt
Für Onlineshop Hosting gibt es keine feste Grenze, ab der ein eigener Server nötig wird. Entscheidend ist, wie viele Besucher gleichzeitig Seiten abrufen, die nicht aus dem Cache kommen, also Warenkorb, Kasse und Suche nutzen. Die drei üblichen Tarifarten unterscheiden sich vor allem darin, wer den Server pflegt und wie viel Leistung fest zugesagt ist.
- Kleiner Shop, wenige Bestellungen am Tag: Ein gutes Webhosting- oder WordPress-Paket mit genug PHP-Speicher reicht. Achten Sie auf SSD-Speicher, aktuelles PHP und tägliche Backups. Was gute Tarife für WordPress-Hosting auszeichnet, gilt hier genauso.
- Wachsender Shop mit vielen Varianten: Managed-Tarife für WooCommerce oder Shopware bieten Redis, Staging und mehr PHP-Prozesse. Der Hoster kümmert sich um Server, PHP und Datenbank.
- Großer Shop oder starke Lastspitzen: Ein vServer oder dedizierter Server mit eigener Konfiguration, bei Shopware oft zusätzlich mit OpenSearch für die Produktsuche. Ohne Linux-Kenntnisse brauchen Sie dafür einen Dienstleister oder einen Managed Server.
Zahlungsdaten und Sicherheit im Shop
Kreditkartendaten gehören nicht auf Ihren Server. Binden Sie den Zahlungsanbieter so ein, dass Käufer ihre Daten auf seiner Seite oder in seinem eingebetteten Formular eingeben. Ihr Shop bekommt dann nur eine Bestätigung, und die Anforderungen des Kartenstandards PCI DSS bleiben für Sie überschaubar. Die gängigen Zahlungs-Plugins für WooCommerce und Shopware arbeiten so.
Shops sind ein beliebtes Ziel für Angriffe, bei denen eingeschleuster Code die Eingaben im Bestellformular mitliest. Schützen Sie deshalb jeden Admin-Zugang mit einem zweiten Faktor, halten Sie Shopsoftware und Erweiterungen aktuell und installieren Sie Erweiterungen nur aus vertrauenswürdigen Quellen. Die einzelnen Schritte für WooCommerce stehen in der Anleitung zur WordPress-Sicherheit. Ein SSL-Zertifikat für alle Seiten ist Pflicht und bei fast allen Hostern über Let's Encrypt kostenlos enthalten.
Backups, die keine Bestellung verlieren
Bei einer normalen Website reicht oft ein Backup pro Tag. Ein Shop bekommt aber laufend neue Bestellungen. Spielen Sie nach einem Fehler das Backup von letzter Nacht zurück, fehlen alle Bestellungen seitdem. Für Onlineshop-Hosting gilt deshalb:
- Sichern Sie die Datenbank mehrmals täglich, bei vielen Bestellungen stündlich. Die Dateien ändern sich seltener, für sie genügt ein tägliches Backup.
- Legen Sie vor jedem Update ein eigenes Backup an.
- Spielen Sie nie ein komplettes Backup über einen laufenden Shop, ohne vorher die neuen Bestellungen zu exportieren. Rechnungen und Bestellnummern brauchen Sie für die Buchhaltung.
- Bewahren Sie eine Kopie außerhalb des Hostings auf, etwa bei einem zweiten Anbieter.
Fragen Sie den Hoster, ob er die Datenbank einzeln zurückspielen kann und wie lange er Sicherungen aufbewahrt. Wie Sie Datenbank und Dateien getrennt sichern und das automatisieren, zeigt der Ratgeber zum Website-Backup.
Updates ohne Ausfall: Staging nutzen
Ein Update der Shopsoftware oder des Zahlungs-Plugins kann die Kasse lahmlegen, ohne dass es auf der Startseite auffällt. Achten Sie beim Onlineshop Hosting deshalb auf eine Staging-Umgebung, also eine Kopie des Shops unter eigener Adresse, auf der Sie Updates gefahrlos testen. Viele Hoster richten sie mit einem Klick ein.
Ein Testkauf heißt: Produkt in den Warenkorb legen, Versandart wählen, mit jeder angebotenen Zahlungsart bis zur Bestätigungsseite gehen und prüfen, ob die Bestellmail ankommt. Die meisten Zahlungsanbieter haben einen Testmodus, in dem kein Geld fließt. Sorgen Sie dafür, dass die Staging-Kopie keine Mails an echte Kunden verschickt und für Suchmaschinen gesperrt ist.
Lastspitzen bei Aktionen und Newslettern
Viele Shops machen einen großen Teil ihres Umsatzes an wenigen Tagen, etwa am Black Friday oder kurz nach einem Newsletter. Gerade dann darf die Kasse nicht langsam werden. Gutes Onlineshop Hosting fängt solche Spitzen ab, wenn Sie sie vorbereiten:
- Liefern Sie Bilder über ein CDN aus, damit sich der Server auf PHP und Datenbank konzentrieren kann.
- Verschicken Sie große Newsletter in Etappen statt an alle Empfänger auf einmal.
- Fragen Sie den Hoster, ob sich der Tarif kurzfristig vergrößern lässt. Bei vServern geht das oft im Kundenmenü, manchmal mit einem Neustart.
- Machen Sie vorher einen Lasttest, etwa mit k6 oder Apache JMeter. Auf Webhosting und Managed-Tarifen nur nach Absprache mit dem Hoster, sonst hält er den Test für einen Angriff.
Datenschutz und Standort
Ein Shop verarbeitet Namen, Anschriften, Bestellungen und oft Zahlungsinformationen. Beim Onlineshop Hosting ist der Hoster deshalb Auftragsverarbeiter, und Sie brauchen mit ihm einen Vertrag nach Artikel 28 DSGVO. Ein Rechenzentrum in der EU erspart Ihnen die zusätzlichen Prüfungen für Drittländer. Prüfen Sie auch, welche Dienste der Shop zusätzlich einbindet, etwa Schriftarten, Bewertungs-Widgets oder Tracking. Die Einzelheiten stehen im Ratgeber zum DSGVO-konformen Hosting.
Einen bestehenden Shop umziehen
Ein Shopumzug braucht mehr Planung als der Umzug einer normalen Website, weil in der Zwischenzeit keine Bestellung verloren gehen darf. So gehen Sie vor:
- Senken Sie einen Tag vorher die TTL der DNS-Einträge, damit die Umstellung schnell greift.
- Kopieren Sie Dateien und Datenbank auf den neuen Server und testen Sie den Shop dort über die Hosts-Datei Ihres Rechners, bevor die Domain umzieht.
- Schalten Sie den alten Shop am Umzugstag in den Wartungsmodus, übertragen Sie die Datenbank noch einmal mit allen Bestellungen bis zu diesem Zeitpunkt und stellen Sie dann die DNS-Einträge um.
- Prüfen Sie auf dem neuen Server SSL-Zertifikat, Mailversand und Cronjobs und machen Sie einen Testkauf.
Zahlungsanbieter melden Zahlungseingänge oft per Webhook an Ihren Shop. Prüfen Sie im Konto des Anbieters, ob diese Meldungen nach dem Umzug ankommen. Die allgemeinen Schritte für den Wechsel stehen in der Anleitung zum Webhosting-Umzug.
Fragen an den Hoster vor dem Vertrag
Die Tarifseiten nennen selten alles, was für einen Shop zählt. Klären Sie diese Punkte vor dem Abschluss, am besten schriftlich per Mail an den Vertrieb:
- Wie hoch ist das PHP-Speicherlimit, und darf ich es selbst ändern?
- Wie viele PHP-Prozesse laufen gleichzeitig?
- Gibt es Redis oder einen anderen Objekt-Cache?
- Wie oft wird die Datenbank gesichert, wie lange werden die Sicherungen aufbewahrt, und kann ich sie selbst zurückspielen?
- Gibt es eine Staging-Umgebung?
- Wo steht das Rechenzentrum, und bekomme ich einen Vertrag zur Auftragsverarbeitung?
- Wie erreiche ich den Support am Wochenende?
- Lässt sich der Tarif ohne Umzug vergrößern?
Häufig gestellte Fragen
Reicht normales Webhosting für einen Onlineshop?
Für einen kleinen Shop mit wenigen Bestellungen oft ja, wenn PHP-Speicher, PHP-Version und Backups passen. Wird die Kasse langsam, sobald mehrere Kunden gleichzeitig bestellen, ist meist die Zahl der PHP-Prozesse die Grenze.
Was kostet Onlineshop Hosting?
Das hängt von Tarifart und Shopgröße ab. Ein Shop braucht meist einen größeren Tarif als eine einfache Website. Rechnen Sie neben dem Hosting mit Kosten für Erweiterungen, Gebühren der Zahlungsanbieter und die laufende Wartung.
WooCommerce oder Shopware, was braucht weniger Server?
WooCommerce läuft als WordPress-Plugin und kommt bei kleinen Shops mit gutem Webhosting aus. Shopware verlangt nach den Herstellerangaben mehr PHP-Speicher und profitiert stärker von Redis und einer eigenen Suche.
Muss der Server in Deutschland stehen?
Nein. Für die DSGVO genügt ein Rechenzentrum in der EU mit Vertrag zur Auftragsverarbeitung. Ein Standort in Deutschland verkürzt die Wege zu deutschen Kunden etwas, Pflicht ist er nicht.
Braucht ein Shop eine eigene IP-Adresse?
Nein. SSL-Zertifikate funktionieren dank SNI auch auf geteilten IP-Adressen. Eine eigene Adresse hilft nur in Sonderfällen, etwa wenn ein Zahlungsanbieter oder eine Warenwirtschaft Zugriffe nur von festen Adressen erlaubt.
Onlineshop Hosting passend auswählen
Prüfen Sie PHP-Speicher, PHP-Prozesse, Objekt-Cache, Backups und Standort, bevor Sie sich für einen Tarif entscheiden. Für einen kleinen WooCommerce-Shop ist ein gutes WordPress-Paket der einfachste Einstieg.