Website-Monitoring: Ausfälle bemerken, bevor Kunden es tun

Website Monitoring bedeutet, dass ein Dienst Ihre Seite rund um die Uhr von außen aufruft und Sie warnt, sobald sie nicht mehr antwortet, einen Fehler zeigt oder das SSL-Zertifikat bald abläuft. Ohne Überwachung erfahren Sie von einem Ausfall meist durch einen Kunden, oft erst Stunden später. Für eine normale Website reicht ein externer Dienst, der alle ein bis fünf Minuten prüft. Einen eigenen Server brauchen Sie dafür nicht.

Was Website Monitoring prüft

Die einfachste Prüfung fragt nur, ob die Seite antwortet. Das reicht nicht ganz: Eine Seite kann mit dem Status 200 antworten und trotzdem eine Fehlermeldung der Datenbank oder eine leere Seite zeigen. Gute Überwachung prüft deshalb mehrere Dinge:

Was Website Monitoring prüft
Erreichbarkeit und Statuscode, ein Stichwort im Inhalt, Ablauf von SSL-Zertifikat und Domain, die Ladezeit und Lebenszeichen von Hintergrundaufgaben wie Backups.
  • Erreichbarkeit und Statuscode: Antwortet der Server, und zwar mit 200 statt mit 500 oder 503?
  • Inhalt: Steht ein bestimmtes Wort auf der Seite, etwa der Firmenname im Footer? Fehlt es, stimmt etwas nicht, auch wenn der Server antwortet. Ändert sich der Inhalt unerwartet, kann auch ein Angriff dahinterstecken, siehe Website gehackt.
  • SSL-Zertifikat: Wie viele Tage ist es noch gültig? Eine Warnung 14 Tage vor Ablauf lässt genug Zeit.
  • Domain: Läuft die Registrierung bald aus?
  • Ladezeit: Wird die Seite langsamer? Ein schleichender Anstieg kündigt oft Probleme an.
  • Hintergrundaufgaben: Laufen Backup, Newsletter und Exporte wie geplant?

Website Monitoring und Server-Monitoring

Website Monitoring schaut von außen, so wie ein Besucher. Server-Monitoring schaut von innen auf Prozessor, Arbeitsspeicher, Festplatte und Dienste. Beim Shared Hosting kümmert sich der Anbieter um den Server, Sie brauchen nur den Blick von außen. Mit eigenem vServer oder Root-Server brauchen Sie beides. Wie die Überwachung von innen funktioniert, zeigt der Ratgeber zum Root Server Monitoring.

Website Monitoring und Server-Monitoring
Website Monitoring prüft von außen, was Besucher sehen: Erreichbarkeit, Inhalt, Zertifikat und Ladezeit. Server-Monitoring misst von innen Prozessor, Arbeitsspeicher, Festplatte und Dienste.

Verfügbarkeit in Zahlen

Hoster versprechen oft 99,9 Prozent Verfügbarkeit. Das klingt nach fast immer, erlaubt aber gut 43 Minuten Ausfall im Monat. Bei 99 Prozent sind es schon über sieben Stunden. Erst mit eigener Überwachung sehen Sie, ob der versprochene Wert stimmt, und haben bei Problemen etwas in der Hand.

Erlaubter Ausfall pro Monat je Verfügbarkeit
Bei 99 Prozent Verfügbarkeit sind 7,2 Stunden Ausfall im Monat erlaubt, bei 99,5 Prozent 3,6 Stunden, bei 99,9 Prozent 43 Minuten und bei 99,99 Prozent gut 4 Minuten.

Achten Sie im Vertrag darauf, was als Ausfall zählt. Geplante Wartungen sind oft ausgenommen, und eine Gutschrift gibt es meist nur auf Antrag. Mit den Daten Ihres Website Monitoring können Sie einen solchen Antrag begründen und bei wiederholten Ausfällen über einen Wechsel des Anbieters entscheiden.

Website Monitoring einrichten

Für den Einstieg reicht ein Dienst im Internet. UptimeRobot, Better Stack, StatusCake oder HetrixTools gehören zu den bekannten Anbietern. Viele haben kostenlose Tarife, die alle fünf Minuten prüfen. Bezahlte Tarife prüfen jede Minute oder öfter und von mehreren Standorten aus. Wer einen eigenen Server betreibt, kann mit Uptime Kuma auch selbst überwachen, sollte das aber auf einem anderen Server tun als dem überwachten.

Website Monitoring einrichten in fünf Schritten
Startseite und eine wichtige Unterseite überwachen, ein Stichwort prüfen, Warnungen für Zertifikat und Domain einschalten und Alarme an zwei Wege schicken.
  1. Startseite überwachen: die HTTPS-Adresse so eintragen, wie Besucher sie aufrufen, mit oder ohne www, Prüfung alle ein bis fünf Minuten.
  2. Eine wichtige Unterseite dazu: etwa eine Produktseite oder den Login. Die Startseite liegt oft im Cache und antwortet noch, wenn PHP oder die Datenbank längst streiken.
  3. Stichwort prüfen: ein Wort, das nur auf einer korrekt geladenen Seite erscheint.
  4. Zertifikat und Domain: Warnungen 14 bis 30 Tage vor Ablauf einschalten.
  5. Alarme einstellen: mindestens zwei Wege, etwa Mail und App oder SMS.

Von Hand prüfen Sie Status und Antwortzeit jederzeit mit einem einzigen Befehl:

curl -o /dev/null -s -w "Status %{http_code}, erstes Byte nach %{time_starttransfer} s\n" https://www.beispiel.de/

SSL-Zertifikat und Domain im Blick

Zertifikate von Let's Encrypt gelten derzeit 90 Tage, ab 2027 schrittweise kürzer, und werden automatisch erneuert. Meistens klappt das. Wenn nicht, etwa nach einer Änderung an DNS oder Weiterleitungen, merkt es niemand, bis Browser eine Warnung zeigen. Let's Encrypt verschickt seit 2025 keine Erinnerungsmails vor dem Ablauf mehr. Eine eigene Überwachung ist deshalb Pflicht. Von Hand prüfen Sie das Ablaufdatum so:

echo | openssl s_client -connect www.beispiel.de:443 -servername www.beispiel.de 2>/dev/null | openssl x509 -noout -enddate

Wie die automatische Erneuerung eingerichtet wird, beschreibt die Anleitung Let's Encrypt einrichten.

Bei Domains ist die Lage gemischt. Für .com, .net und viele neue Endungen nennt die Whois-Abfrage ein Ablaufdatum, das Überwachungsdienste auslesen können. Für .de gibt es keins, die Domain läuft so lange, wie Ihr Anbieter sie bezahlt und Sie Ihre Rechnungen bei ihm begleichen. Hier hilft nur: automatische Verlängerung einschalten, eine Zahlungsart hinterlegen, die nicht abläuft, und Mails des Anbieters an eine Adresse schicken lassen, die Sie täglich lesen. Mehr dazu im Ratgeber Domain registrieren.

Cronjobs und Hintergrundaufgaben überwachen

Manche Fehler sieht kein Besucher: Das nächtliche Backup läuft nicht mehr, der Newsletter geht nicht raus, der Export an die Warenwirtschaft hängt. Dafür gibt es die Überwachung per Lebenszeichen. Ihr Skript meldet sich nach jedem erfolgreichen Lauf bei einem Dienst wie Healthchecks.io. Bleibt die Meldung aus, kommt ein Alarm:

30 3 * * * ~/bin/backup.sh && curl -fsS -m 10 --retry 3 https://hc-ping.com/IHRE-ID > /dev/null

Der Aufruf am Ende läuft nur, wenn das Skript ohne Fehler endet. Das Prinzip passt zu jedem Website-Backup per Skript und zu allen anderen geplanten Aufgaben.

Fehlermeldungen richtig deuten

Ein guter Dienst für Website Monitoring meldet nicht nur „down“, sondern auch, was genau passiert ist. Daraus lässt sich oft schon ablesen, wo der Fehler liegt und wen Sie anrufen müssen:

MeldungBedeutungWer ist gefragt?
Status 500Die Anwendung ist abgestürzt, oft nach einem UpdateSie selbst, Fehlerprotokoll lesen
Status 502 oder 504Der Webserver bekommt von PHP keine oder zu spät eine AntwortSie oder der Hoster, je nach Tarif
Status 503Überlastung oder WartungsmodusWartung beenden oder Hoster fragen
ZeitüberschreitungServer oder Netz antworten gar nichtmeist der Hoster
SSL-FehlerZertifikat abgelaufen oder falschErneuerung prüfen
DNS-FehlerDomain zeigt nirgendwohin, oft nach einem Umzug oder abgelaufener DomainDomain-Anbieter

Abläufe prüfen: Formular und Warenkorb

Für Shops und Seiten, die von Anfragen leben, reicht der Blick auf einzelne Seiten nicht. Einige Dienste bieten Prüfungen mit einem echten Browser an. Sie öffnen die Seite, legen ein Produkt in den Warenkorb oder füllen ein Formular aus und melden, an welcher Stelle es hakt. Solche Prüfungen sind aufwendiger einzurichten und kosten meist extra. Nutzen Sie dafür ein Testkonto und brechen Sie vor dem Bezahlen ab, damit keine echten Bestellungen entstehen. Bei Formularen hilft ein Stichwort im Betreff, damit die Testanfragen automatisch aussortiert werden.

Alarme, die Sie ernst nehmen

Eine Überwachung, die zu oft falschen Alarm schlägt, wird bald ignoriert. Stellen Sie sie deshalb so ein, dass ein Alarm erst nach zwei oder drei fehlgeschlagenen Prüfungen hintereinander kommt oder erst dann, wenn mehrere Standorte den Fehler bestätigen. Kurze Aussetzer von wenigen Sekunden sind normal.

  • Schicken Sie Alarme an eine Adresse, die nicht auf demselben Server liegt. Fällt der Server aus, kommt eine Mail an info@ihre-firma.de sonst nie an.
  • Tragen Sie eine Vertretung ein, damit auch im Urlaub jemand reagiert.
  • Hinterlegen Sie Wartungsfenster, damit geplante Arbeiten keinen Alarm auslösen.
  • Prüfen Sie bei einem Alarm zuerst von einem anderen Netz aus, etwa mit dem Handy über Mobilfunk. Manchmal liegt das Problem im eigenen Büro.

Ladezeit überwachen

Viele Dienste messen bei jeder Prüfung auch die Antwortzeit. Ein einzelner langsamer Wert sagt wenig, ein Trend über Wochen viel. Steigt die Zeit bis zum ersten Byte langsam an, wächst oft die Datenbank, ein Plugin bremst, oder der Server ist überlastet. Für die Ladezeit aus Sicht echter Besucher lohnt zusätzlich ein Blick in den Bericht zu den Core Web Vitals in der Google Search Console. Was Sie dann verbessern können, steht im Leitfaden Website Performance optimieren.

Ein Plan für den Ernstfall

Der Alarm ist nur der Anfang. Damit nachts um drei niemand suchen muss, legen Sie vorher eine kurze Notiz an und speichern sie außerhalb der Website, etwa im Passwort-Manager:

  • Telefonnummer und Kundennummer beim Hoster, dazu die Adresse seiner Statusseite
  • Zugang zum Kundenmenü und zum Backend der Website
  • wo das letzte Backup liegt und wie es zurückgespielt wird
  • wer entscheidet, ob die Seite in den Wartungsmodus geht

Eine Statusseite für Kunden

Wer viele Kunden oder ein Angebot mit Login betreibt, kann eine öffentliche Statusseite einrichten. Die meisten Dienste für Website Monitoring bieten sie mit an. Kunden sehen dort selbst, ob ein Problem bekannt ist, und Ihr Support bekommt weniger Anfragen. Legen Sie die Statusseite auf eine eigene Subdomain bei einem anderen Anbieter, damit sie auch bei einem Ausfall erreichbar bleibt.

Häufig gestellte Fragen

Wie oft sollte Website Monitoring prüfen?

Für eine Firmenseite reichen fünf Minuten. Bei einem Shop oder einem Portal mit Kunden lohnt eine Prüfung jede Minute, weil dort jeder Ausfall direkt Umsatz kostet.

Kostet Website Monitoring etwas?

Für einige wenige Websites reicht oft ein kostenloser Tarif. Bezahlt werden kürzere Abstände, mehr Standorte, SMS-Alarme und Statusseiten. Prüfen Sie bei kostenlosen Tarifen, ob die Bedingungen eine gewerbliche Nutzung erlauben.

Brauche ich einen Vertrag zur Auftragsverarbeitung?

Eine reine Prüfung von außen verarbeitet keine Daten Ihrer Besucher. Testet der Dienst Abläufe mit Formularen oder Kundenkonten, klären Sie das mit Ihrem Datenschutz.

Was tue ich bei einem Alarm?

Erst aus einem anderen Netz prüfen, dann die Statusseite des Hosters ansehen und das Fehlerprotokoll lesen. Melden Sie sich beim Support mit Zeitpunkt, Adresse und Fehlercode. Das spart eine Runde Rückfragen.

Ersetzt Monitoring ein Backup?

Nein. Die Überwachung sagt Ihnen, dass etwas kaputt ist. Wiederherstellen können Sie die Seite nur mit einem Backup.

Website Monitoring heute einrichten

Legen Sie bei einem Dienst eine Prüfung für Startseite und eine wichtige Unterseite an, mit Stichwort, Zertifikat und Domain. Schicken Sie Alarme an zwei Wege, von denen keiner auf Ihrem eigenen Server liegt.

Sorgen Sie jetzt auch für ein funktionierendes Backup.


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