Wer Matomo selbst hosten will, bekommt eine vollwertige Webanalyse, deren Daten auf dem eigenen Server bleiben. Sie sehen Besucherzahlen, Herkunft, beliebte Seiten und Ziele wie Anfragen oder Bestellungen, ohne dass ein fremder Konzern mitliest. Für kleine und mittlere Websites reicht dafür ein normaler Webspace mit PHP und Datenbank. Mit den richtigen Einstellungen lässt sich Matomo zudem ohne Cookies betreiben, was die Frage nach dem Einwilligungsbanner deutlich entspannt.
Das Wichtigste in Kürze
- Matomo ist eine kostenlose Webanalyse, die auf Ihrem eigenen Webspace oder Server läuft.
- Voraussetzungen: PHP, eine Datenbank, eine Subdomain mit HTTPS und ab mittlerer Last ein Cronjob.
- Gleich einstellen: IP-Adressen kürzen, alte Rohdaten löschen, auf Wunsch ohne Cookies erfassen.
- Ob Sie ohne Einwilligung auskommen, ist rechtlich nicht abschließend geklärt, prüfen Sie Ihren Fall.
Warum Matomo selbst hosten
Matomo ist eine quelloffene Software für Webanalyse und eine verbreitete Alternative zu Google Analytics. Es gibt sie als Cloud-Dienst des Herstellers und als kostenlose Version zum Selbstbetrieb. Für den eigenen Server sprechen vor allem drei Gründe:
- Datenhoheit: Alle Daten liegen in Ihrer Datenbank in Ihrem Rechenzentrum. Kein Dritter wertet sie für eigene Zwecke aus.
- Datenschutz: Sie bestimmen selbst, wie viel erfasst wird, wie lange Daten liegen bleiben und ob Cookies gesetzt werden.
- Keine Kosten pro Aufruf: Die Software ist kostenlos. Sie zahlen nur den Speicher und die Rechenleistung, die Sie ohnehin haben.
Der Preis dafür: Sie kümmern sich um Updates, Backups und darum, dass der Server die Last trägt. Bei sehr viel Verkehr wird das spürbar.
Voraussetzungen, um Matomo selbst hosten zu können
Matomo ist eine PHP-Anwendung mit MySQL- oder MariaDB-Datenbank und läuft deshalb auf fast jedem Webhosting-Tarif. Achten Sie auf diese Punkte:
- eine aktuelle, unterstützte PHP-Version, wie Sie sie im Ratgeber PHP-Version ändern prüfen
- eine eigene Datenbank für Matomo
- mindestens 128 MB
memory_limit, besser 256 MB oder mehr - die Möglichkeit, Cronjobs einzurichten, sobald die Seite mehr als ein paar hundert Besucher am Tag hat
- eine eigene Subdomain mit HTTPS, etwa
statistik.beispiel.de
Eine eigene Subdomain hält Matomo sauber von Ihrer Website getrennt und erleichtert Updates. Wie Sie eine anlegen, erklärt der Ratgeber zum Thema Subdomain einrichten. Die genauen technischen Anforderungen nennt die Installationsanleitung von Matomo.
Matomo selbst hosten: die Installation
- Datenbank anlegen. Im Kundenmenü eine neue Datenbank mit eigenem Benutzer und langem Passwort erstellen.
- Dateien hochladen. Das aktuelle Paket von matomo.org herunterladen, entpacken und den Inhalt per SFTP in den Ordner der Subdomain laden. Mit SSH geht es schneller, weil Sie das Archiv direkt auf dem Server entpacken.
- Installationsassistent. Die Subdomain im Browser aufrufen. Matomo prüft die Voraussetzungen, fragt nach den Zugangsdaten der Datenbank und legt einen Administrator an.
- Website eintragen. Name und Adresse Ihrer Website angeben. Matomo zeigt danach den Tracking-Code.
- Tracking-Code einbauen. Den Code vor dem schließenden
</head>Ihrer Website einfügen oder über ein Plugin des CMS einbinden.
Für WordPress gibt es zwei Wege. Das Plugin „Matomo for WordPress“ installiert Matomo direkt in WordPress. Das ist bequem, belastet aber dieselbe Datenbank und denselben Server. Eine getrennte Installation auf einer Subdomain mit einem schlanken Plugin, das nur den Code einbindet, ist bei wachsender Besucherzahl die robustere Lösung.
Archivierung per Cronjob
Matomo speichert jeden Aufruf zunächst als Rohdaten. Die Berichte, die Sie sehen, berechnet es daraus in einem eigenen Schritt, der Archivierung. Standardmäßig passiert das, wenn jemand die Statistik im Browser öffnet. Bei kleinen Seiten ist das in Ordnung. Ab einigen hundert Besuchern am Tag wird die Oberfläche dadurch langsam oder bricht mit einem Fehler ab.
Schalten Sie deshalb unter „Administration“, „System“ und „Allgemeine Einstellungen“ die Archivierung über den Browser ab und lassen Sie sie stattdessen jede Stunde per Cronjob laufen:
5 * * * * /usr/bin/php /home/kunde/statistik/console core:archive --url=https://statistik.beispiel.de/ > /home/kunde/logs/matomo-archiv.log 2>&1
Passen Sie die Pfade an Ihren Webspace an und nehmen Sie die PHP-Version, mit der auch Matomo läuft. Wie das geht und welche Fehler typisch sind, beschreibt der Ratgeber zum Thema Cronjob einrichten.
Datenschutzfreundlich einstellen
Ein großer Vorteil, wenn Sie Matomo selbst hosten, ist die Kontrolle über die Einstellungen. Unter „Administration“ und „Datenschutz“ finden Sie die wichtigsten:
- IP-Adressen kürzen: Mindestens zwei Bytes entfernen. Aus
203.0.113.45wird dann203.0.0.0. Die Herkunft nach Land bleibt grob erkennbar. - Alte Rohdaten löschen: Die einzelnen Aufrufe brauchen Sie nur für die Berechnung. Lassen Sie sie etwa nach sechs Monaten löschen, die Berichte bleiben erhalten.
- Do-not-track beachten: Besucher, die das im Browser eingestellt haben, werden nicht erfasst.
- Widerspruch ermöglichen: Matomo liefert einen Baustein für die Datenschutzerklärung, mit dem Besucher der Erfassung widersprechen können.
Matomo ohne Cookies
Im Tracking-Code können Sie Cookies abschalten. Fügen Sie dazu vor der Zeile mit trackPageView diese Zeile ein:
_paq.push(['disableCookies']);
Matomo erkennt wiederkehrende Besucher dann nur noch innerhalb eines Tages über eine Kennung, die es aus gekürzter IP-Adresse, Browser und Datum berechnet und täglich wechselt. Zahlen wie „wiederkehrende Besucher“ werden dadurch ungenauer, die Besuche und Seitenaufrufe bleiben aussagekräftig.
Ob Sie damit ohne Einwilligungsbanner auskommen, ist in Deutschland nicht abschließend geklärt. Das TDDDG verlangt eine Einwilligung, sobald Informationen auf dem Gerät des Besuchers gespeichert oder ausgelesen werden und das nicht unbedingt nötig ist. Ohne Cookies und mit gekürzten Adressen sind die Argumente für einen Betrieb ohne Einwilligung deutlich besser als bei Analysediensten großer Anbieter. Manche Aufsichtsbehörden sehen aber schon das Ausführen des Skripts kritisch. Erwähnen Sie Matomo in jedem Fall in der Datenschutzerklärung und klären Sie Ihren Fall mit Ihrem Datenschutzbeauftragten. Dieser Ratgeber ersetzt keine Rechtsberatung. Weitere Punkte zum Datenschutz beim Hosting sammelt der Ratgeber zum DSGVO-konformen Hosting.
Was Sie aus den Zahlen machen
Besucherzahlen allein sagen wenig. Ihren Wert bekommt die Statistik erst, wenn Sie festlegen, was ein Erfolg ist. In Matomo heißt das Ziel. Legen Sie unter „Ziele“ zum Beispiel fest, dass der Aufruf der Seite /danke/ nach dem Kontaktformular eine Anfrage bedeutet. Dann sehen Sie, aus welchen Quellen die Besucher kommen, die wirklich anfragen.
Für Werbung, Newsletter und Beiträge in sozialen Netzwerken hängen Sie an Ihre Links Kampagnenangaben an, etwa ?mtm_campaign=fruehjahr&mtm_source=newsletter. Matomo ordnet die Besuche dann der Kampagne zu. Die gängigen Angaben aus anderen Werkzeugen wie utm_campaign versteht Matomo ebenfalls.
Für Shops gibt es eine eigene Auswertung für Bestellungen mit Umsatz, Produkten und abgebrochenen Warenkörben. Für WooCommerce und viele andere Shopsysteme gibt es Erweiterungen, die die nötigen Daten an Matomo übergeben. Beachten Sie dabei, dass Bestelldaten personenbezogen sein können. Übergeben Sie nur, was Sie für die Auswertung brauchen, also keine Namen oder Adressen.
Ein guter Rhythmus für kleinere Betriebe: einmal im Monat die wichtigsten Seiten, die Herkunft der Besucher und die erreichten Ziele ansehen. Matomo kann Ihnen dafür einen Bericht per Mail schicken, eingestellt unter „E-Mail-Berichte“.
Leistung, Speicher und Pflege
Wer Matomo selbst hosten will, sollte die Last im Blick behalten. Jeder Seitenaufruf Ihrer Website erzeugt eine zusätzliche Anfrage an Matomo. Bei einigen tausend Besuchern am Tag ist das für einen normalen Tarif kein Problem. Bei deutlich mehr Verkehr oder bei Spitzen durch Newsletter und Werbung kann Matomo den Server mit Ihrer Website ausbremsen. Dann lohnt ein eigener Tarif oder ein kleiner vServer nur für die Statistik.
Die Datenbank wächst mit jedem Besuch. Als grober Anhaltspunkt belegen eine Million Seitenaufrufe je nach Einstellungen einige hundert Megabyte bis wenige Gigabyte. Das Löschen alter Rohdaten hält die Größe im Rahmen.
Updates zeigt Matomo in der Oberfläche an und spielt sie auf Wunsch mit einem Klick ein. Sichern Sie vorher Datenbank und Dateien, wie es der Ratgeber zum Website-Backup beschreibt. Schalten Sie die Zwei-Faktor-Anmeldung für alle Konten mit Adminrechten ein, denn die Statistik verrät viel über Ihr Geschäft.
Wann eine andere Lösung besser passt
Matomo selbst hosten lohnt sich nicht immer. Für sehr große Seiten mit Millionen Aufrufen im Monat ist die Cloud-Version des Herstellers oder ein eigener Server mit viel Leistung sinnvoller. Wer nur grobe Zahlen braucht, kommt mit einer schlanken Alternative oder mit der Auswertung der Server-Logfiles aus, die viele Hoster im Kundenmenü anbieten. Und wer keine Zeit für Updates hat, sollte die Pflege nicht auf die lange Bank schieben, denn eine veraltete Matomo-Installation ist ein Einfallstor wie jede andere Software.
Häufig gestellte Fragen
Kostet es etwas, Matomo selbst zu hosten?
Die Software ist kostenlos. Einige Erweiterungen wie Heatmaps oder Aufzeichnungen von Sitzungen kosten extra. Dazu kommen Ihre Kosten für Webspace oder Server.
Läuft Matomo auf Shared Hosting?
Ja, für kleine und mittlere Websites gut. Wichtig ist, dass Sie Cronjobs einrichten können und das Speicherlimit von PHP reicht.
Kann ich Daten aus Google Analytics übernehmen?
Matomo bietet ein Werkzeug zum Import älterer Daten aus Google Analytics. Die Daten sind danach aber nicht in allen Einzelheiten vergleichbar.
Zählen Werbeblocker die Besucher mit?
Manche Blocker unterdrücken auch Matomo. Bei einer selbst gehosteten Installation auf eigener Subdomain passiert das seltener als bei großen Anbietern, aber nicht nie.
Brauche ich einen Vertrag zur Auftragsverarbeitung?
Mit Ihrem Hoster ja, wie für Ihre Website auch. Mit dem Hersteller von Matomo nicht, solange Sie die Software selbst betreiben.
Matomo selbst hosten und loslegen
Legen Sie eine Subdomain mit HTTPS und eine eigene Datenbank an, installieren Sie Matomo und kürzen Sie gleich die IP-Adressen. Schalten Sie Cookies ab und stellen Sie die Archivierung auf einen Cronjob um.