Nextcloud selbst hosten: die eigene Cloud für Dateien und Termine

Wer Nextcloud selbst hosten will, bekommt eine Alternative zu Dropbox, Google Drive und Co., bei der die Daten auf einem Server liegen, den Sie selbst aussuchen. Dateien, Kalender, Kontakte und auf Wunsch auch Videokonferenzen und Büro-Dokumente laufen dann über Ihre eigene Domain. Das kostet etwas Einrichtung und regelmäßige Pflege. Mit dem offiziellen Paket Nextcloud All-in-One auf einem vServer ist der Einstieg aber in einer Stunde geschafft.

Das Wichtigste in Kürze

  • Nextcloud ersetzt Dropbox und Google Drive, die Daten liegen auf einem Server Ihrer Wahl.
  • Für wenige Personen reicht ein vServer mit 2 bis 4 GB, für Teams mit Office eher 8 GB.
  • Der einfachste Weg ist Nextcloud All-in-One mit Docker, inklusive Zertifikat und Backup.
  • Pflicht ab dem ersten Tag: Zwei-Faktor-Anmeldung, Updates und ein Backup auf einen zweiten Speicher.

Was Nextcloud kann

Im Kern ist Nextcloud eine Dateiablage mit Programmen für Windows, macOS, Linux, Android und iOS, die Ordner zwischen Ihren Geräten abgleichen. Sie teilen Dateien per Link, auch mit Passwort und Ablaufdatum, und arbeiten mit mehreren Personen in gemeinsamen Ordnern.

Dazu kommen Apps, die Sie im Adminbereich zuschalten: Kalender und Kontakte, die sich mit dem Handy abgleichen, Aufgaben, Notizen, ein Chat mit Videokonferenzen namens Talk und die Bearbeitung von Office-Dokumenten im Browser. Je mehr davon Sie nutzen, desto mehr Leistung braucht der Server.

Was Nextcloud kann
Nextcloud gleicht Dateien zwischen Geräten ab, teilt sie per Link, verwaltet Kalender und Kontakte und bietet auf Wunsch Chat mit Videokonferenzen und Office im Browser.

Wo Sie Nextcloud selbst hosten können

Auf Webspace. Manche Webhosting-Tarife erlauben eine Nextcloud-Installation per Klick. Für eine Person mit wenigen Dateien kann das reichen. Typische Grenzen sind die Laufzeit von PHP-Skripten, fehlende Cronjobs, kein Redis und wenig Speicher. Große Uploads und der Abgleich vieler kleiner Dateien werden dann langsam oder brechen ab.

Managed Nextcloud. Einige Anbieter betreiben Nextcloud für Sie, inklusive Updates und Backups. Sie haben eine eigene Instanz, kümmern sich aber nicht um den Server. Das ist die bequemste Lösung für Firmen ohne eigene IT.

vServer. Hier haben Sie volle Kontrolle und die beste Leistung fürs Geld. Dafür sind Sie für Updates, Sicherheit und Backups verantwortlich. Für die meisten Privatleute und kleinen Teams mit etwas Technikinteresse ist das der beste Weg. Wer Nextcloud selbst hosten möchte und SSH nicht scheut, fährt damit am günstigsten.

Welcher Server reicht, um Nextcloud selbst zu hosten

Nextcloud läuft auf erstaunlich kleiner Hardware, wird mit Zusatzfunktionen aber schnell hungrig. Grobe Richtwerte:

  • Eine bis drei Personen, nur Dateien, Kalender, Kontakte: 2 Kerne und 2 bis 4 GB Arbeitsspeicher.
  • Kleines Team bis 20 Personen, mit Office im Browser: 4 Kerne und 8 GB Arbeitsspeicher.
  • Mit Videokonferenzen für mehrere Teilnehmer: deutlich mehr, und ab einer gewissen Größe ein eigener Server für Talk.

Beim Speicherplatz rechnen Sie Ihre Daten plus Puffer für Versionen und Papierkorb. Nextcloud behält ältere Fassungen geänderter Dateien und gelöschte Dateien eine Weile. Planen Sie daher mindestens 50 Prozent mehr als Ihre reine Datenmenge. Wird der Speicher knapp, binden Sie zusätzlichen Blockspeicher Ihres Anbieters ein.

Arbeitsspeicher für Nextcloud nach Nutzung
Grobe Richtwerte: 2 bis 4 GB für wenige Personen mit Dateien, Kalender und Kontakten, 8 GB für ein kleines Team mit Office im Browser und mehr mit Videokonferenzen.

Nextcloud selbst hosten mit All-in-One

Nextcloud All-in-One, kurz AIO, ist der offizielle und einfachste Weg auf einem eigenen Server. Ein einzelner Container richtet alle nötigen Teile ein: Nextcloud, Datenbank, Redis, Webserver mit automatischem Zertifikat, Backups mit BorgBackup und auf Wunsch Office und Talk. Updates spielen Sie mit einem Klick ein.

Sie brauchen einen vServer mit Debian oder Ubuntu, Docker und eine Domain, deren A-Eintrag auf den Server zeigt, etwa cloud.beispiel.de. Wie Docker auf den Server kommt und warum Sie dabei auf veröffentlichte Ports achten müssen, steht im Ratgeber zu Docker auf dem vServer. Den passenden DNS-Eintrag erklärt der Ratgeber zum Thema Subdomain einrichten.

Gestartet wird AIO mit einem einzigen Befehl. Prüfen Sie ihn vorher in der Anleitung von Nextcloud AIO, da sich Einzelheiten ändern können:

sudo docker run --init --sig-proxy=false \
  --name nextcloud-aio-mastercontainer --restart always \
  --publish 80:80 --publish 8080:8080 --publish 8443:8443 \
  --volume nextcloud_aio_mastercontainer:/mnt/docker-aio-config \
  --volume /var/run/docker.sock:/var/run/docker.sock:ro \
  nextcloud/all-in-one:latest

Danach öffnen Sie https://IP-IHRES-SERVERS:8080 im Browser. Die Warnung zum Zertifikat ist an dieser Stelle normal. AIO zeigt Ihnen ein langes Passwort für die Verwaltung, das Sie sicher aufbewahren. Dann tragen Sie Ihre Domain ein, wählen die gewünschten Zusatzfunktionen und starten die Container. Nach einigen Minuten erreichen Sie Nextcloud unter Ihrer Domain mit gültigem Zertifikat.

Nextcloud selbst hosten mit All-in-One
Domain auf den Server zeigen lassen, Docker installieren, den AIO-Container starten, in der Verwaltung Domain und Funktionen wählen und den Verwaltungsport danach sperren.

Die Verwaltung auf Port 8080 brauchen Sie nur für Updates und Backups. Da Docker seine Ports an ufw vorbei öffnet, bleibt sie sonst aus dem ganzen Internet erreichbar. Sperren Sie den Port deshalb beim Anbieter in der Firewall des Kundenmenüs oder erreichen Sie ihn nur über einen eigenen VPN-Server. Die Ports 80 und 443 müssen für die Zertifikate offen bleiben.

Geräte verbinden

Wer Nextcloud selbst hosten will, möchte die Daten auf allen Geräten haben. Ist der Server eingerichtet, verbinden Sie Ihre Geräte. Die Programme für Windows, macOS und Linux sowie die Apps für Android und iOS finden Sie auf der Website von Nextcloud und in den App-Stores.

  1. Programm installieren und starten.
  2. Adresse Ihrer Cloud eingeben, etwa https://cloud.beispiel.de.
  3. Im Browser anmelden und den Zugriff für das Gerät erlauben.
  4. Festlegen, welche Ordner abgeglichen werden. Auf dem Laptop reicht oft eine Auswahl, der Rest bleibt auf dem Server und lässt sich bei Bedarf laden.

Auf dem Handy kann die App Fotos automatisch hochladen. Kalender und Kontakte gleichen Sie unter Android mit der App DAVx⁵ ab, unter iOS direkt in den Einstellungen mit einem Konto vom Typ CalDAV und CardDAV. Die genauen Adressen zeigt Nextcloud im Kalender unter „Einstellungen“.

Benutzer, Gruppen und Speicher

Wenn Sie Nextcloud selbst hosten, verwalten Sie auch die Konten. Für ein Team legen Sie in der Benutzerverwaltung für jede Person ein eigenes Konto an und ordnen es Gruppen zu, etwa „Büro“ oder „Vorstand“. Gemeinsame Ordner teilen Sie mit einer Gruppe statt mit Einzelnen. Kommt jemand neu dazu, sieht er sofort alles, was für seine Gruppe gedacht ist. Mit der App „Group folders“ gehören Ordner der Gruppe und nicht einer Person, sie bleiben also erhalten, wenn ein Konto gelöscht wird. Setzen Sie für jedes Konto eine Obergrenze für den Speicher, damit ein einzelner Fotoordner nicht den Server füllt.

Wird der Platz auf dem Server knapp, haben Sie zwei Wege. Viele Anbieter bieten zusätzlichen Blockspeicher, den Sie als weitere Festplatte einbinden und auf den Sie das Datenverzeichnis legen. Oder Sie binden mit der App „External storage“ einen günstigen Speicher per SFTP, WebDAV oder S3 als zusätzlichen Ordner ein. Die zweite Variante ist langsamer, eignet sich aber gut für Archive.

Die klassische Installation

Ohne Docker installieren Sie Nextcloud auf einem gewöhnlichen Webserver mit PHP und einer Datenbank, also Apache oder Nginx, PHP 8, MariaDB oder PostgreSQL und Redis. Das gibt Ihnen mehr Kontrolle, ist aber deutlich mehr Arbeit. Achten Sie dann auf diese Punkte, die AIO von selbst richtig macht:

  • memory_limit von mindestens 512 MB und OPcache für PHP
  • Redis für das Sperren von Dateien, sonst gibt es bei vielen Zugriffen Konflikte
  • ein echter Cronjob statt AJAX für die Hintergrundaufgaben, wie im Ratgeber zum Thema Cronjob einrichten beschrieben
  • das Datenverzeichnis außerhalb des Webordners

Die Seite „Übersicht“ in den Verwaltungseinstellungen prüft Ihre Installation und listet Warnungen auf. Arbeiten Sie diese Liste ab, bis sie leer ist.

Sicherheit für die eigene Cloud

Wer Nextcloud selbst hosten will, übernimmt auch die Sicherheit. Auf Ihrer Nextcloud liegen vermutlich Ihre wichtigsten Dateien. Behandeln Sie sie entsprechend:

  • Zwei-Faktor-Anmeldung für alle Konten, mindestens für Admins. Nextcloud bringt dafür Apps mit, etwa für Einmalcodes per App.
  • Updates zeitnah: Nextcloud selbst, die Apps und das Betriebssystem. Für das System helfen automatische Updates.
  • Schutz vor Passwort-Raten: Nextcloud bremst wiederholte Fehlversuche von selbst aus. Prüfen Sie, ob die echte Adresse der Besucher ankommt, wenn ein Proxy davor sitzt.
  • Freigaben mit Bedacht: Öffentliche Links mit Passwort und Ablaufdatum versehen.
  • Serverseitige Verschlüsselung schützt vor allem externen Speicher. Gegen einen Angreifer auf Ihrem Server hilft sie wenig, kostet aber Leistung. Für die meisten Installationen ist sie nicht nötig.

Backups nicht vergessen

Auch wenn Sie Nextcloud selbst hosten, ersetzt die eigene Cloud kein Backup. Wenn Sie eine Datei auf dem Laptop löschen, verschwindet sie durch den Abgleich auch auf dem Server und auf allen anderen Geräten. Der Papierkorb hilft nur eine Weile.

AIO bringt ein Backup mit BorgBackup mit, das Sie in der Verwaltung einschalten. Legen Sie das Ziel auf einen zweiten Speicher, nicht auf dieselbe Festplatte, und testen Sie die Rücksicherung einmal. Bei der klassischen Installation sichern Sie das Datenverzeichnis, die Datenbank per Export und die Datei config.php. Wie Sie das planen und automatisieren, erklärt der Ratgeber zu Backup-Strategien.

Abgleich ist kein Backup
Der Abgleich überträgt auch Löschungen und Fehler auf alle Geräte. Ein Backup auf einem zweiten Speicher hält ältere Stände getrennt und unverändert bereit.

Updates mit All-in-One

Bei AIO melden Sie sich in der Verwaltung an, halten die Container an und starten das Update mit einem Klick. AIO legt vorher ein Backup an, wenn Sie das eingestellt haben. Neue Hauptversionen von Nextcloud übernimmt AIO in der Regel erst mit einigem Abstand zur Veröffentlichung. Halten Sie trotzdem einen Termin im Monat fest, an dem Sie nachsehen, ob Updates bereitliegen. Docker selbst und das Betriebssystem aktualisieren Sie wie gewohnt über die Paketverwaltung.

Nextcloud selbst hosten und die DSGVO

Nutzen Sie Nextcloud für Ihre Firma oder Ihren Verein, verarbeiten Sie dort personenbezogene Daten. Ein Server in Deutschland und ein Vertrag zur Auftragsverarbeitung mit Ihrem Anbieter sind die Grundlage. Die Verantwortung für Updates, Zugriffsrechte und Backups liegt aber bei Ihnen. Was dazugehört, beschreibt der Ratgeber zum DSGVO-konformen Hosting. Für Ihren konkreten Fall fragen Sie Ihren Datenschutzbeauftragten, dieser Artikel ersetzt keine Rechtsberatung.

Häufig gestellte Fragen

Ist es schwierig, Nextcloud selbst zu hosten?

Mit Nextcloud AIO ist die Einrichtung in einer Stunde erledigt, wenn Sie einen Server per SSH bedienen können. Aufwendiger ist die laufende Pflege mit Updates und Backups.

Was kostet eine eigene Nextcloud?

Ein passender vServer kostet je nach Größe einige Euro bis wenige Dutzend Euro im Monat. Dazu kommen die Domain und gegebenenfalls zusätzlicher Speicher. Nextcloud selbst ist kostenlos.

Kann ich Nextcloud zu Hause auf einem Raspberry Pi betreiben?

Ja, für eine Familie funktioniert das. Ihr Anschluss braucht dann eine erreichbare Adresse und genug Upload. Auf einem gemieteten Server sind Erreichbarkeit und Stromausfälle kein Thema.

Wie bekomme ich meine Daten von Dropbox oder Google Drive?

Laden Sie die Daten beim alten Dienst herunter und legen Sie sie in den Nextcloud-Ordner auf Ihrem Rechner. Das Programm lädt sie hoch. Kalender und Kontakte exportieren Sie als Datei und importieren sie in Nextcloud.

Brauche ich eine eigene Domain?

Für ein gültiges Zertifikat und eine feste Adresse ja. Eine Subdomain einer vorhandenen Domain wie cloud.beispiel.de reicht völlig.

Nextcloud selbst hosten ohne Umwege

Wenn Sie Nextcloud selbst hosten, wählen Sie einen vServer mit genug Arbeitsspeicher, richten Sie eine Subdomain ein und starten Sie Nextcloud All-in-One. Schalten Sie gleich am ersten Tag Zwei-Faktor-Anmeldung und das Backup auf einen zweiten Speicher ein.

Finden Sie jetzt heraus, welcher vServer zu Ihrer Cloud passt.


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