Einen Gameserver mieten Sie, wenn Sie mit Freunden oder einer Community dauerhaft auf einer eigenen Welt spielen wollen, ohne dass Ihr eigener PC dafür laufen muss. Dafür gibt es zwei Wege: einen fertigen Gameserver bei einem spezialisierten Anbieter, den Sie über eine Weboberfläche steuern, oder einen vServer, auf dem Sie den Server selbst einrichten. Der erste Weg ist einfacher, der zweite oft günstiger und flexibler. Entscheidend ist in beiden Fällen, dass Arbeitsspeicher und Prozessor zum Spiel passen.
Das Wichtigste in Kürze
- Der wichtigste Wert ist der Arbeitsspeicher, danach ein schneller einzelner Prozessorkern.
- Ein Gameserver-Anbieter ist am einfachsten, ein vServer bietet mehr Freiheit für weniger Geld.
- Achten Sie auf Standort in Deutschland, DDoS-Schutz, automatische Backups und kurze Laufzeit.
- Auf dem eigenen Server: eigener Benutzer, nur nötige Ports offen, tägliche Sicherung der Welt.
Gameserver mieten: die drei Möglichkeiten
Gameserver-Anbieter. Sie wählen ein Spiel, eine Größe und einen Standort, nach ein paar Minuten läuft der Server. Über ein Webinterface starten Sie ihn neu, installieren Mods, legen Backups an und verwalten Spieler. Sie brauchen keine Linux-Kenntnisse. Dafür zahlen Sie meist mehr pro Gigabyte Arbeitsspeicher, und manche Einstellungen sind gesperrt.
vServer oder Root-Server. Sie mieten einen Linux-Server und installieren das Spiel selbst. Auf einem Server laufen dann auch mehrere Spiele, ein Sprachserver wie TeamSpeak oder Mumble und eine Website für die Community. Sie haben alle Freiheiten, sind aber für Updates, Sicherheit und Backups selbst zuständig. Was ein vServer ist und wie er sich vom Root-Server unterscheidet, erklärt der Ratgeber Was ist ein vServer.
Server zu Hause. Ein alter PC im Keller funktioniert für kleine Runden. Sie müssen dafür aber Ports am Router freigeben, Ihre Anschlussadresse wechselt oft, und der Upload vieler Anschlüsse reicht nicht für viele Spieler. Für eine Community, die rund um die Uhr spielen will, ist das selten die beste Lösung.
Was ein Gameserver wirklich braucht
Bevor Sie einen Gameserver mieten, schauen Sie auf drei Werte. Arbeitsspeicher ist der wichtigste, denn die Spielwelt liegt dort komplett. Danach kommt die Leistung eines einzelnen Prozessorkerns, denn viele Spiele berechnen die Welt hauptsächlich auf einem Kern. Viele langsame Kerne helfen weniger als wenige schnelle. Der dritte Wert ist eine schnelle SSD, am besten NVMe, damit das Laden neuer Gebiete nicht ruckelt.
Die folgenden Werte sind grobe Richtwerte für kleine bis mittlere Runden. Sie hängen stark von der Zahl der Spieler, der Größe der Welt und von Mods ab. Prüfen Sie für Ihr Spiel immer die Angaben des Herstellers oder des Projekts.
- Minecraft Java ohne Mods: 2 bis 4 GB für bis zu zehn Spieler. Mit vielen Plugins oder großen Modpacks schnell 6 bis 10 GB.
- Valheim: etwa 4 GB für eine Runde mit Freunden, mit großer erkundeter Welt eher mehr.
- Counter-Strike 2: wenig Arbeitsspeicher, aber eine gute Verbindung und schnelle Kerne, weil die Reaktionszeit zählt.
- Survival-Spiele mit großen Welten wie ARK oder Palworld: häufig 8 bis 16 GB und mehr.
Wenn Sie zum ersten Mal einen Gameserver mieten und unsicher sind, starten Sie mit der kleineren Stufe und beobachten Sie die Auslastung. Bei den meisten Anbietern wechseln Sie mit einem Klick auf einen größeren Tarif, und Ihre Welt zieht mit.
Worauf Sie beim Gameserver mieten achten sollten
- Standort: Ein Rechenzentrum in Deutschland, etwa in Frankfurt oder Nürnberg, sorgt für kurze Wege und einen niedrigen Ping für Spieler aus dem deutschsprachigen Raum.
- Abrechnung: Manche Anbieter rechnen nach Slots ab, also nach der Zahl der Spieler, andere nach Arbeitsspeicher. Wer einen Gameserver mieten will, fährt mit der Abrechnung nach Arbeitsspeicher meist besser, weil ein Slot nichts darüber sagt, wie viel Leistung Sie bekommen.
- Prozessor: Fragen Sie nach dem Modell und dem Takt. „Bis zu“ Angaben ohne Modell sind wenig wert.
- DDoS-Schutz: Gameserver sind ein beliebtes Ziel von Überlastungsangriffen, gerade wenn Spieler sich streiten. Der Schutz sollte im Preis enthalten sein und Spieleverkehr über UDP abdecken. Hintergründe erklärt der Ratgeber zum DDoS-Schutz.
- Backups: Automatische Sicherungen der Welt, die Sie selbst zurückspielen können.
- Laufzeit: Monatlich kündbar oder auf Guthaben ist ideal, solange Sie nicht wissen, wie lange die Runde zusammenbleibt.
- Mods und Dateizugang: Zugriff per SFTP auf die Dateien des Servers, wenn Sie eigene Mods oder Einstellungen brauchen.
Wer noch nicht volljährig ist, braucht für einen laufenden Vertrag mit monatlichen Kosten in der Regel die Zustimmung der Eltern. Ein Prepaid-Modell mit Guthaben macht die Kosten für alle Beteiligten überschaubar.
Eigener Gameserver auf dem vServer: Beispiel Minecraft
Am Beispiel Minecraft Java sehen Sie, wie wenig Aufwand ein selbst betriebener Server macht. Sie brauchen einen vServer mit Debian oder Ubuntu und mindestens 4 GB Arbeitsspeicher. Wie Sie ihn grundlegend einrichten und absichern, zeigt der Leitfaden vServer für Einsteiger.
Minecraft Java braucht seit Version 1.20.5 mindestens Java 21, neuere Versionen können eine neuere Java-Version verlangen. Welche Version gilt, steht in den Versionshinweisen von Mojang. Installieren Sie das passende Java und legen Sie einen eigenen Benutzer für den Server an:
sudo apt update
sudo apt install openjdk-21-jre-headless
sudo adduser --disabled-password minecraft
sudo -iu minecraft
mkdir server && cd server
Laden Sie die Server-Datei in diesen Ordner. Für bessere Leistung empfehlen viele Betreiber statt des offiziellen Servers die Variante Paper, die zu den Plugins vieler Communities passt. Beim ersten Start legt der Server die Datei eula.txt an. Darin setzen Sie eula=true, nachdem Sie die Lizenzbedingungen von Mojang gelesen haben. Danach starten Sie mit festen Grenzen für den Arbeitsspeicher:
java -Xms2G -Xmx3G -jar server.jar --nogui
Lassen Sie dem System etwa 1 GB Luft. Bei 4 GB Arbeitsspeicher bekommt der Spieleserver also 3 GB. Damit der Server nach einem Neustart von selbst startet und bei einem Absturz neu anläuft, richten Sie ihn als Dienst ein. Legen Sie dazu als Root die Datei /etc/systemd/system/minecraft.service an:
[Unit]
Description=Minecraft Server
After=network.target
[Service]
User=minecraft
WorkingDirectory=/home/minecraft/server
ExecStart=/usr/bin/java -Xms2G -Xmx3G -jar server.jar --nogui
Restart=on-failure
[Install]
WantedBy=multi-user.target
Mit sudo systemctl enable --now minecraft läuft der Server dauerhaft, mit journalctl -u minecraft -f sehen Sie seine Ausgaben. Für Befehle in der Server-Konsole während des Betriebs nutzen viele Betreiber stattdessen tmux oder RCON, siehe unten.
Firewall, Zugang und Schutz
Ein Gameserver ist im ganzen Internet sichtbar. Öffnen Sie nur die Ports, die das Spiel braucht, bei Minecraft Java ist das 25565 über TCP. Mit ufw sieht das so aus:
sudo ufw allow OpenSSH
sudo ufw allow 25565/tcp
sudo ufw enable
Andere Spiele nutzen andere Ports und oft UDP, die Angaben finden Sie in der Dokumentation des Spiels. Schalten Sie für private Runden die Whitelist ein, damit nur eingetragene Spieler beitreten. Bei Minecraft geht das mit white-list=true in der server.properties. Die Fernsteuerung RCON lassen Sie aus oder schützen Sie mit einem langen Passwort und einer Firewall-Regel, denn darüber hat jeder volle Kontrolle über den Server. Weitere Regeln erklärt der Ratgeber zur Firewall-Konfiguration.
Backups der Spielwelt
Die Welt ist das Wertvollste auf dem Server. Ein Absturz während des Speicherns, ein fehlerhaftes Mod-Update oder ein Spieler mit TNT, und Wochen an Arbeit sind weg. Sichern Sie den Ordner der Welt deshalb täglich, am besten auf einen zweiten Ort. Bei Minecraft speichern Sie vor der Sicherung mit den Konsolenbefehlen save-off und save-all und schalten das Speichern danach mit save-on wieder ein. Wie Sie das automatisch nachts laufen lassen, zeigt der Ratgeber zum Thema Cronjob einrichten. Bewahren Sie mehrere Stände auf, dann kommen Sie auch zum Zustand von vorgestern zurück.
Mods, Plugins und Leistung
Mods und Plugins machen einen Server erst interessant, sind aber auch die häufigste Ursache für Abstürze und Ruckler. Laden Sie sie nur aus bekannten Quellen wie den offiziellen Seiten der Projekte oder großen Plattformen wie Modrinth und CurseForge. Eine Datei aus einem Forum oder Discord kann Schadcode enthalten, der auf Ihrem Server mit den Rechten des Spiels läuft. Deshalb ist der eigene Benutzer ohne Root-Rechte so wichtig.
Spielen Sie Updates von Mods und Plugins zuerst auf einer Kopie der Welt ein. Nach einem Update des Spiels brauchen viele Erweiterungen selbst ein Update, bevor der Server wieder startet.
Ruckelt der Server, messen Sie, statt zu raten. Bei Minecraft zeigt die Leistungsanzeige der Server-Software, wie lange ein Spieltakt dauert. Ein Takt sollte unter 50 Millisekunden bleiben, sonst laggt das Spiel. Ein Profiler wie spark zeigt, welches Plugin oder welcher Bereich der Welt die Zeit verbraucht. Häufige Ursachen sind zu große Sichtweite, viele Tiere auf engem Raum und große Farmen mit Redstone.
Mehrere Spiele und Werkzeuge für Betreiber
Wollen Sie mehrere Spiele auf einem Server betreiben, helfen Werkzeuge, die Installation und Updates vereinheitlichen. LinuxGSM bringt fertige Skripte für über hundert Spieleserver mit, von Valheim bis Counter-Strike. Die Liste der unterstützten Spiele und die Anleitung finden Sie bei LinuxGSM. Wer seinen Freunden eine Weboberfläche wie bei einem Anbieter geben will, schaut sich Pterodactyl an. Es setzt allerdings Docker und etwas Erfahrung voraus.
Gameserver mieten oder selbst betreiben?
Für eine Runde mit Freunden, die einfach spielen will, ist ein Gameserver-Anbieter die bessere Wahl. Sie sparen sich Linux, Firewall und Updates, und der Support hilft bei Problemen. Einen Gameserver mieten Sie dort in wenigen Minuten.
Ein eigener vServer lohnt sich, wenn Sie mehrere Spiele, eine Website oder einen Sprachserver auf einer Maschine betreiben wollen, oder wenn Sie Linux lernen möchten. Für die gleiche Menge Arbeitsspeicher zahlen Sie dort oft weniger, als wenn Sie einen fertigen Gameserver mieten. Planen Sie aber jede Woche etwas Zeit für Pflege ein.
Häufig gestellte Fragen
Was kostet es, einen Gameserver zu mieten?
Das hängt vor allem vom Arbeitsspeicher ab. Kleine Server für eine Runde mit Freunden gibt es für wenige Euro im Monat, große Server mit Mods kosten ein Vielfaches. Vergleichen Sie den Preis pro Gigabyte und den Prozessor.
Wie viel RAM braucht ein Minecraft-Server?
Für bis zu zehn Spieler ohne Mods reichen meist 2 bis 4 GB. Mit großen Modpacks sind 6 bis 10 GB üblich.
Ist ein Gameserver auf einem vServer erlaubt?
Bei den meisten Anbietern ja. Prüfen Sie aber die Bedingungen, manche schließen Spieleserver auf günstigen Tarifen aus oder begrenzen die Dauerlast des Prozessors.
Warum laggt mein Server trotz viel RAM?
Meist ist ein einzelner Prozessorkern voll ausgelastet. Weniger Sichtweite, weniger Wesen in der Welt oder ein Server mit höherem Takt helfen dann mehr als zusätzlicher Arbeitsspeicher.
Kann ich meine Welt zu einem anderen Anbieter mitnehmen?
Ja. Laden Sie den Ordner der Welt per SFTP oder über das Webinterface herunter und spielen Sie ihn beim neuen Server ein. Die Version des Spiels sollte dabei gleich sein.
Gameserver mieten mit gutem Gefühl
Schätzen Sie den Arbeitsspeicher für Ihr Spiel, wählen Sie einen Standort in Deutschland mit DDoS-Schutz und achten Sie auf Backups und kurze Laufzeiten. Wer mehr Kontrolle will, setzt den Server auf einem vServer selbst auf.